Wednesday, March 01, 2006

Närrisches Treiben im Österreichischen Eishockey

(auf www.spoor.ch und www.hockeyweb.de)

Dem Kalender zufolge sollte der Fasching mit dem heutigen Tage eigentlich schon überstanden sein. In der Österreichischen Eishockeylandschaft bedient man sich aber anscheinend einer anderen Zeitrechnung und setzt das närrische Treiben auch am Aschermittwoch weiter fort. Ein Ende der karnevalsähnlichen Zustände ist zwar bis Freitag in Sicht, doch welche Auswirkungen der Faschingsskandal auf die Playoffs der Erste Bank Eishockey Liga haben wird bleibt weiter ungewiss.

Um die Hintergründe für die Fortführung der österreichischen Faschingsfeierlichkeiten genauer zu verstehen, müssen wir das Rad der Zeit erstmal auf Freitag, den 24.02.2006, zurückdrehen. Angefangen hat alles beim Spiel der Vienna Capitals gegen den Villacher SV. Die hart umkämpfte Partie endete mit einem 4:4 nach regulärer Spielzeit. Im darauf folgenden Penaltyschießen trat, beim Stand von 2:1 für die Capitals, der Villacher Topscorer Dany Bousquet an und versenkte seinen Penalty zum 2:2 Ausgleich. Danach folgten längere Diskussionen und der slowakische A-WM-Referee Jonak annullierte schließlich den Treffer. Begründung: Angeblich hätte die Nummer 24, Günther Lanzinger, und nicht die Nummer 54 Dany Bousquet zum Penalty antreten müssen. Die Partie war damit beendet und die Capitals konnten mit dieser Entscheidung natürlich gut leben, denn der Zusatzpunkt sicherte ihnen (nach dem Heimsieg am darauf folgenden Sonntag gegen Innsbruck) fix die Qualifikation für die am 05.03.2006 beginnenden Playoffs.

Die Villacher hingegen waren mit dieser Entscheidung nicht so ganz einverstanden, für sie wäre, zu diesem Zeitpunkt, der Zusatzpunkt im Kampf um Platz Eins noch sehr wichtig gewesen und Trainer Greg Holst versicherte für den entscheidenden Penalty die Nummer 54 angegeben zu haben. In Erinnerung bleibt auf jeden Fall das TV-Interview des wütenden VSV-Trainers. Durchzogen vom, im anglophilen Sprachgebrauch sehr verbreiten F-word, empörte er sich über ganz Eishockey-Österreich und verabschiedete sich mit einem Fußtritt gegen die Kabinentür der Schiedsrichter. Dieser verbale Ausraster führte im Nachhinein zu einer Sperre von einem Pflichtspiel und 500 Euro Geldstrafe für den VSV.

Die Villacher vermerkten den Fehler auf dem Spielbericht und wurden von den Playoff-Kandidaten aus Klagenfurt, Linz und Innsbruck, welche auch schriftlich Protest einlegten, unterstützt. Über das Wochenende prüfte der dreiköpfige Straf- und Beglaubigungssenat der Erste Bank Eishockey Liga (EBEL), unter Einbeziehung des Schiedsrichterreferats und des internationalen Eishockeyverbandes (IIHF), die Vorgänge umfassend und kam am Montag schließlich zur Entscheidung jeder Mannschaft für das 4:4 einmal fix einen Punkt zuzusprechen. Weiters sollte das gesamte Penaltyschießen, in dem noch ein Zusatzpunkt zu ergattern wäre, am 28.02.2006 zu einer sportlichen Entscheidung führen.

Mit dieser Entscheidung waren die Vienna Capitals wiederum ganz und gar nicht einverstanden, denn ohne den rettenden Zusatzpunkt würden die Chancen, der in der letzten Runde spielfreien, Capitals doch beträchtlich sinken. Caps-Trainer Jim Boni dazu: „Wenn wir uns durch den verlorenen Punkt nicht für die Playoffs qualifizieren, will ich mit dem österreichischen Eishockey nichts mehr zu tun haben, auch nicht als Nationaltrainer“.
Das Präsidium der Capitals hielt Boni natürlich die Stange und kündigte an, alle Mittel einzusetzen um der Strafsenatsentscheidung nicht Folge leisten zu müssen.

Schützenhilfe bekamen die Capitals von Graz 99ers-Präsident Mag. Jochen Pildner-Steinburg, der mit einem offenen Brief noch zusätzlich Öl ins Feuer goss. Der 99ers-Präsident beklagt die, durch Schiedsrichterfehlentscheidung bedingte, verpasste Playoff-Teilnahme seiner Mannschaft in der vergangenen Saison und bezichtigte den OEHV auf sarkastische Weise immer wieder einen wesentlichen Beitrag zum Faschingstreiben in Österreich zu leisten.

Noch bevor es am Faschingsdienstag zum beschlossenen Penaltyschießen in der Wiener Albert Schultz Halle kam, entschieden die Capitals, aufgrund einer Einstweiligen Verfügung des Landesgerichts für Zivilrechtsachen in Wien, nicht zum angesetzten Termin anzutreten. Die Villacher Abordnung hatte die Reise in Richtung Bundeshauptstadt allerdings schon angetreten und musste auf halbem Weg wieder umdrehen.

Zu dieser Einstweiligen Verfügung kam es deshalb, da nach der Entscheidung des Zivilrichters der Strafsenat unter dem Vorsitz von Dr. Helmut Gartner, nach den Satzungen, für diese Entscheidung nicht zuständig war und der Beschluss durch den Referenten für das Melde-, Ordnungs- und Beglaubigungswesen des ÖEHV (MOBA) erfolgen hätte müssen. In den Satzungen des Verbandes hätte der Strafsenat der Erste Bank Eishockey Liga nämlich erst bei der nächsten Generalversammlung im Juni verankert werden sollen. Weiters wurde dem Antrag, das Meisterschaftsspiel Vienna Capitals gegen den VSV mit 5:4 zu Gunsten der Wiener zu beglaubigen, nicht stattgegeben.

Nun aber zum kuriosesten Teil dieser Episode: Zufällig heißt der zuständige MOBA-Referent des ÖEHV Dr. Helmut Gartner und kurioserweise wurde der Straf- und Beglaubigungssenat und deren personelle Besetzung im letzten Jahr durch einstimmigen Beschluss sämtlicher EBEL-Vereinspräsidenten neu installiert. Überdies beschlossen damals sämtliche Vereine einstimmig, dass gegen Senatsentscheidungen zumindest in der laufenden Saison kein Rechtsmittel zulässig sein sollte.
Dr. Helmut Gartner rechtfertigte sich ebenfalls in einem offenen Brief und merkte an, dass es ungewöhnlich und unakzeptabel erscheint, dass Graz Präsident Mag. Jochen Pildner-Steinburg und Capitals-Präsident Diplomkaufmann Hans Schmid gegen ein selbst mitinstalliertes Gremium auf diese Weise vorgehen.

Das endgültige Ende des närrischen Treibens ist nun für Freitag, den 03.03.2006, vorgesehen und der Fall wird vom Vorstand des Österreichischen Eishockeyverbandes bearbeitet. ÖEHV-Vorstandsmitglied und EBEL-Strafsenatsvorsitzender Helmut Gartner hat sich für befangen erklärt und wird bei der Entscheidungsfindung nicht mitwirken.
Vor der letzten Runde des Grunddurchgangs der Erste Bank Eishockey Liga sollte dann ein Ergebnis vorliegen. Die Zeit drängt, da es planmäßig schon am Sonntag zu den ersten Playoff-Begegnungen kommen soll. Salzburg und Villach sind sicher dabei. Wer die weiteren heiß begehrten Plätze erreicht wird sich am Freitag wahrscheinlich sportlich und eventuell auch auf dem grünen Tisch entscheiden.


Tabelle, letzte Runde im Grunddurchgang und Regel 610:

Letzte Runde im Grunddurchgang am Freitag 03.03.2006, jeweils 19.15 Uhr
HC TWK Innsbruck - Red Bulls Salzburg
Graz 99ers - EC Pasut VSV
EHC Liwest Linz - EC KAC
Vienna Capitals spielfrei


TABELLE GP S NnV N TORE P
1. Red Bulls Salzburg ** 47 29 6* 12 175:135 49
2.EC Pasut VSV ** 47 27 7* 13 146:119 47***
3. Vienna Capitals 48 24 3* 20 172:163 39***
4. HC TWK Innsbruck 47 25 5* 17 155:145 38
5. EHC Liwest Linz 47 24 5* 18 139:153 38
6. EC KAC 47 21 6* 20 133:151 37
7. Graz 99ers 47 14 6* 27 114:168 26

Anmerkungen:
* Niederlage nach Verlängerung oder Penaltyschießen (ein Punkt)
** im Play-off
*** VSV und Capitals haben je einen Punkt aus dem 4:4 in der regulären Spielzeit. Der zusätzliche Punkt wird entweder im Penaltyschießen oder auf dem grünen Tisch vergeben

Nach 24 Spielen folgte eine Punkteteilung.

Für jene die sich jetzt ans Rechen machen wollen noch die Regel 610 aus dem IIHF Rulebook, die bei Punktegleichheit zweier oder mehrerer Teams nach dem Grunddurchgang für die Reihung in der Tabelle ausschlaggebend ist.

Regel 610

Die Einstufung der Mannschaften innerhalb eines Wettkampfes erfolgt nach der Anzahl der von ihnen erzielten Punkte.
Für den Fall, dass bei einer Einstufung zwei oder mehrere Mannschaften die gleiche Punktzahl haben, gelten folgende Bestimmungen:

1. Haben zwei oder mehr Mannschaften die gleiche Punktzahl, so entscheiden die Resultate, die in den Spielen zwischen diesen Mannschaften erzielt wurden für die Platzierung.

2. Besteht aufgrund der zwischen allen oder einigen Mannschaften untereinander ausgetragenen Spiele noch immer Punktegleichheit, so wird nach dem Torverfahren gewertet. Dabei wird die Anzahl der Tore, die gegen eine Mannschaft geschossen wurden, von den von der gleichen Mannschaft erzielten Toren abgezogen; die Mannschaft mit dem größten positiven Überschuss bzw. dem kleinsten negativen Unterschied hat den Vorzug.

Zwischen Mannschaften, die auch nach der Tordifferenz immer noch gleich sind, hat die Mannschaft, die mehr Tore erzielte den Vorzug.

3. Besteht noch immer Gleichheit, dann zählen die Tore aller in der Gruppe ausgetragenen Spiele, sofern die Mannschaften, zwischen denen Gleichheit besteht, gegen die gleichen Gegner gespielt haben.

4. Haben diese Mannschaften auch aus allen Spielen die gleiche Tordifferenz, dann hat die Mannschaft, die mehr Tore erzielte den Vorzug.

5. Sind zwei Mannschaften nach ihrem letzten gemeinsamen Spiel in der Gruppe absolut klar punktgleich, muss dieses Spiel nach den Regelen für Play-off Spiele verlängert werden.

9 comments:

Anonymous said...

wieso stehtn in dein profil nix davon, dass du auch bei cycamp hacklst?

Anonymous said...

sauba simon, danke für die präzise info.
lg, cook

Anonymous said...

wiener eishockeymafia, typisch!!

aber wenigstens haben die villacher auf dem heimweg beim rosenberger auf a schnitzl vorbeischauen können....

viva KAC!

Anonymous said...

Nicht nur dass Wien dem österreichischen Eishockey schadet, sondern Boni will den Verband erpressen. Wenn der nicht Konsequenzen zieht und Boni nicht mit sofortiger Wien aus seinem Vertrag entlässt, wäre das ein Hohn. Jim Boni für österreichische Eishockey? Nein Danke! Zudem muss unnbedigt das Urteil bestätigt werden, ansonsten hat Wien der ganzen Liga auf den Kopf gesch.....!

ESKOSITO

Anonymous said...

und angeblich is a kistn villacha is a mitgfohrn...

Anonymous said...

mich zipft der Fall nur wegen dem Schiri an...da wird ein slowakischer Schiri engagiert, der angeblich a wm niveaz besitzt...der ausgang seiner entscheidung versetzt nun eishockeyösterreich in chaos...
und das wundert mich in bezug auf schiris mit slowakischer oder tschechischer herkunft nicht, denn jedes Mal, wenn ich Schiris mit dieser nationalen Herkunft an der Pfeife erlebt hatte, setzte sich auch immer ein gewisser Drang nach Selbstbeweis durch...deshalb finde ich Schiris aus unserem so schönen nachbarland einfach nicht gut, weil sie nicht im Sinne einer neutralen Position diplomatisch entscheiden, sondern nach außen hin immer eine Art Selbstüberzeugtheit und Rigidität ausstrahlen wollen...generell wohl eine eigenart eines langunterdrückten Volkes...

Anonymous said...

Was hat das ganze mit den Schiris zu tun? Der Schiri hat richtig gehandelt. Die Scguld liegt beim Linesman
Denk mal dran was Ira oder Kowalczyk heuer schon aufgeführt haben.
Und deine Meldung über "unser schönes Nachbarland" hättest dir auch sparen können.

rex said...

Gut recherchiert wie immer, Simon! Aber a bissl z u lang is mir der Artikel als (Früh)Morgen-Lesestoff.

Dein Foto is übrigens a Wahnsinn, schaust aus wie a schwerer Drogen-Checker aus Miami ;-)

LG REX

Anonymous said...

der einwöchige spuk war nach ein paar sekunden beendet. boni "der erpresser" ist im play off, für salzburg geht es morgen in innsbruck um nichts mehr und, linz und kac schauen durch die finger.

boni raus und holst fürs nationalteam!